Historische Fahne des Musikvereins Oeventrop wieder eingesegnet

Mitglieder des Musikvereins Oeventrop mit der historischen und der neuen Fahne. (Foto: Franz-Josef Molitor)

Oeventrop. In einem feierlichen Gottesdienst, der musikalisch von der Oeventroper Musikkapelle unter der Leitung von Kapellmeister Rene Kock gestaltet wurde, wurde im Laufe des Gottesdienstes die wieder aufgetauchte historische Fahne von 1903 von Pfarrer Ernst Thomas gesegnet.

Ein Begleiter auf allen Lebenswegen

Pfarrer Ernst Thomas bei der Einsegnung der Historischen Fahne. (Foto: Franz-Josef Molitor)

In seinen Eingangsworten wies Pfarrer Thomas auf die Bedeutung der Fahnen hin, die als Symbol einer Gemeinschaft die Mitglieder auf ihrem langen Lebensweg begleiten, Freude und Geselligkeit erleben und die Mitglieder auch auf ihrem letzten Weg begleiten. Jochen Krätzig errichtete über den überraschenden Fund dieser historischen Fahne, als bei einer Haushaltsauflösung im Jahre 2014 das wertvolle, allerdings stark ramponierte Stück wieder zum Vorschein kam. Krätzig sagte: „Wir, die Mitglieder des Musikvereins 1903 Oeventrop e.V. freuen uns, heute unsere historische Fahne, nach erfolgter Restaurierung, im Rahmen einer Weihe ihrer erneuten Bestimmung zu übergeben. Diese Restaurierung konnte nur mit Spenden aus dem Dorf umgesetzt werden. Hierfür nochmals unseren allerherzlichsten Dank.“

Geschichte teils noch im Dunklen

Die Geschichte der Fahne liegt zum Teil noch im Dunklen. Es handelt sich um eine für ihre Zeit sehr kunstvoll gearbeitete Fahne, die einst nicht nur durch erlesene Seide, sondern auch durch aufwändige Stickereien hervorstach. Sie wurde vermutlich, so neueste Angaben der Fahnenfabrik Kössinger, vor 1914 hergestellt und geriet nach 1945 in Vergessenheit, bis sie in desolatem Zustand wiederentdeckt wurde. „Sollte jemand zur Geschichte der Fahne noch Angaben machen können oder eventuell alte Unterlagen besitzen, findet er bei jedem Mitglied des Musikvereins Oeventrop ein offenes Ohr“, so Krätzig.

König David als Schutzpatron

Jochen Krätzig bei seinem Vortrag. (Foto: Franz-Josef Molitor)

Auf der Widmungsseite ist neben den Noten und Musikinstrumenten im Schriftzug zu erkennen, dass die Wurzeln des Musikvereins in Glösingen liegen. Auf der Patronatsseite ist nicht, wie sonst häufig, die Hl. Cäcilia als Schutzpatronin der Musiker zu sehen, sondern der spätere König David in seiner Zeit als junger Waffenmeister am Hofe Sauls. König David verkörpert hier das Schöne und Reine und wird daher auch als Schutzpatron der Musiker und Künstler am 29. Dezember eines jeden Jahres verehrt. „Mit der Figur des Judenkönigs David schließt sich nun der Kreis, wird diese Fahne erneut Teil unserer Dorfgeschichte. Jetzt wird auch klar, dass Sie in den 30-er Jahren vermutlich verschwinden musste und es wohl nur einem mutigen Moment zu verdanken ist, dass sie nicht in den Pogromfeuern verbrannte“, so Krätzig. „Wir können das Geschehene nicht rückgängig machen, wohl ab er in die Zukunft schauen und hoffen, dass mit Gottes Hilfe unsere Musik noch lange und ausschließlich zur Freude Aller erklingt. Darum bitten wir mit dieser Weihe um Schutz und Kraft für die Aufgaben, die dem Musikverein unter dieser Fahne noch bevorstehen. Gerne führen wir das Banner Davids, denn wie die Musik verbindet er uns, wird er doch in Thora, Bibel und Koran gleichermaßen für seine Tugenden verehrt. Ein sehr moderner Gedanke, den Oeventrop aber längst im christlichen Sinne bei dem Umgang mit den ehemaligen Flüchtlingen und jetzigen neuen Mitbürgern umsetzt.“

Franz-Josef Molitor

 

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